Projekt Höver

Das Membran-Prinzip

Wie aus dem Klimagas CO₂ wertvolle Rohstoffe entstehen

Das Membranverfahren ermöglicht eine CO₂-Abtrennung ganz ohne Hitzezufuhr und ist deshalb besonders energieeffizient. Die modular skalierbare Technologie eröffnet der Zementindustrie ganz neue Perspektiven für eine schnelle und wirtschaftliche Dekarbonisierung.

Moderne Membrantrennverfahren sind ein Meilenstein auf dem Weg zur klimaneutralen Industrie. Sie ermöglichen die Trennung verschiedener Stoffe auf rein physikalischem Weg – vollkommen ohne Hitzezufuhr, energieintensive Kühlung oder den Einsatz von Chemikalien. Dafür sorgt eine semipermeable und wiederverwendbare Membran, die aufgrund ihrer Eigenschaften gewisse Stoffe durchlässt, andere jedoch nicht.

Die kalte Separation ohne Hitze ist schonender für Stoffgemische und energetisch deutlich effizienter als herkömmliche thermische Trennverfahren wie Destillation, Verdampfung, Sublimation oder Kristallisation. Auch der Zementindustrie eröffnen Membrantrennverfahren ganz neue Wege hin zur Dekarbonisierung.

In Höver hat die Zementwende bereits begonnen

Holcim ist Vorreiter auf dem Gebiet der membranbasierten Abscheidung von CO₂. In unserem Zementwerk in Höver entsteht eine der weltweit ersten Anlagen, die den Einsatz dieser innovativen Technologie im Industriemaßstab erprobt. Dabei vertrauen wir auf europäische Spitzentechnologie und arbeiten eng mit den Technologiepartnern Cool Planet Technologies und dem Helmholtz-Zentrum Hereon zusammen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie BMWE unterstützt die Erprobung der membranbasierten CO₂-Abscheidung bereits seit längerer Zeit und hat das Projekt in Höver begleitet. Die Förderung schafft die Grundlage dafür, die Technologie im industriellen Maßstab weiter zu optimieren und ihre Skalierbarkeit für den Einsatz in Zementwerken zu belegen.

Die membranbasierte CO₂-Abscheidung wird in Höver bereits seit längerer Zeit im kleineren Maßstab erprobt. Seit 2022 haben verschiedene Testphasen durchweg hervorragende Abscheideraten und Reinheiten ergeben, sodass das Membranverfahren nun signifikant skaliert werden kann.

Aktuell erfolgt die Montage der zentralen Elemente der Anlage. Die Inbetriebnahme erfolgt im Jahr 2026. Die dann installierte Ausbaustufe ist darauf ausgelegt, jährlich bis zu 10.000 Tonnen CO₂ abzuscheiden. Langfristig soll die Anlage rund 90 Prozent der CO₂-Emissionen des Werks abtrennen und in hochreines CO₂ in flüssiger Form umwandeln.

Da CO₂ als natürlicher Luftbestandteil weder brennbar noch explosiv ist, steht die Anlage in Höver auch für einen risikoarmen Betrieb. Durch die Zusammenarbeit mit erfahrenen Experten und die strikte Einhaltung aller Sicherheitsstandards – inklusive umfassender Lärm- und Umweltgutachten – garantieren wir einen Betrieb, der die höchsten Schutzziele erfüllt und einen entscheidenden Beitrag zur Dekarbonisierung leistet.

In Höver testet Holcim Deutschland eine der weltweit ersten Anlagen mit innovativem Membrantrennverfahren zur CO₂-Abscheidung. Es ist die weltweit größte Anlage dieser Art.
„Die neue Testanlage ist das Fundament für unsere Zukunft. Wir sichern den Standort langfristig, indem wir schon heute die Lösungen für morgen vorantreiben.”
Florian Trela, Leiter der Holcim Werksgruppe Höver

Eine Pilotanlage für EU-Projekt ICO₂NIC

Langfristig will Holcim Deutschland anderen Industrien hochreines CO₂ als Grundstoff zur Verfügung stellen und dadurch Stoffkreisläufe schließen. Hierzu sind bereits vielversprechende Testprojekte mit namhaften Industriepartnern am Standort Höver angelaufen.

Außerdem ist Holcim Deutschland Industriepartner des EU-geförderten Projekts ICO₂NIC. Ziel des Projekts ist es, abgeschiedenes CO₂ zunächst in Ameisensäure umzuwandeln und anschließend in weiteren biologischen Prozessen zu wertvollen Grundstoffen wie mikrobielle Öle und Proteine umzuwandeln. Diese finden insbesondere in den Bereichen Kosmetik und Pharmaindustrie Anwendung. Im Zementwerk Höver wird dafür eine weitere Pilotanlage entstehen. Dort soll erprobt werden, wie sich abgeschiedenes CO₂ im industriellen Umfeld weiterverarbeiten und für neue Wertschöpfungsketten nutzbar machen lässt.

Mehr Informationen zu ICO₂NIC: https://ico2nic.eu/